Teil 2 vom dritten Abenteuer: “Der seltsame Fall vom verirrten Schwein”

Ende Mai '26 ist durch und unser drittes Abenteuer ebenso. Für die drei Abenteuer haben wir vier Sessions gebraucht, die alle mindestens 4 Stunden lang waren, eher länger. Damit steht das “Versprechen” von SoDL, die meisten Abenteuer seien in vierstündigen Sessions spielbar, auf etwas tönernen Füßen, aber da die Spieldauer extrem vom Spielspiel und externen Faktoren abhängig ist, will ich da kein finales Urteil fällen. Lieber weiter zur Session selbst.

* Gerade dieses Kampagne fokussiert sich schon sehr auf das Wesentliche. * Die Regeln des Systems sind grundsolide und können guten Gewissens wortgetreu am Tisch eingesetzt werden. * Es hilft, von D&D (3e und 5e, Pathfinder) erlernte Gewohnheiten abzulegen.

Es hat sich als völlig valide Entscheidung erwiesen, Teile des Abenteuers rauszuschneiden. Auf die Ereignisse beim Bauern Schinke und den Turm zu beschränken passte für uns völlig. Die anderen Begegnungen tragen nichts wirklich zur Geschichte bei, eine geschickt platzierte Leiche im Camp am Turm erledigt alles, was an Wissensvermittlung für die Gruppe nötig war. Haken dran, passt.

Für die Kampagne selbst muss man aber schon fair sagen, dass da (in Relation zu Material eben für 5e oder Pathfinder oder Cthulhu) riesige Lücken klaffen. Es gibt praktisch nie eine Herleitung, was zwischen einzelnen Abenteuern passiert, warum die Gruppe jetzt gerade in diesem Kaff (im Fall vom Schwein wörtlich zu nehmen) eine Aufgabe erfüllen soll, wieso sie das Schicksal von Schinke und seinen Schweinen überhaupt interessieren soll. Das ist natürlich zum einen eben der explizite Claim, dieses “Wir geben euch das Nötigste, dafür in bester Qualität, den Rest macht ihr”, und zum anderen auch nicht sonderlich verwunderlich bei 98 Seiten (Englisch 48) für 11 Abenteuer plus n bisschen Setting dazu. Es lässt sich aber wirklich gut damit arbeiten. Zumindest einer halbwegs erfahrenen Spielleitung, vielleicht garniert mit einer spielbegierigen Gruppe (wie bei mir der Fall), bieten sich dadurch nutzbare Freiräume. Ich muss nicht die Einleitung und die Verbindung zu Schinkes Schweinen mühsam umbiegen, damit sie halbwegs auf die Gruppe passt. Ich frage einfach eine Person, ob der Charakter (der so ne Art kleiner Local Hero ist) vielleicht Verbindungen zum Dörfchen haben könnte, bekomme natürlich ein “Aber klar!”, wir schreiben noch je 2 Zeilen dazu, und fertig ists. Am Tisch sind alle cool mit der Idee, dass unser Held des kleinen Mannes die Gruppe um Hilfe bittet, weil in einem ihm am Herzen liegenden Dörfchen seltsames passiert, und nach 3 Minuten Session steht die Gruppe am Hof von Bauer Schinke, ist motiviert bei der Sache. Diese geringe Menge kreativer Arbeit stecke ich dann aber auch gerne ins Abenteuer, auch wenn ich meine Gruppe immer wieder darauf hinweise, dass ich die Kampagne mit “Auch für SL wenig zeitlicher Aufwand, unser aller Lebensrealität angemessen” beworben habe und auch gedenke, exakt so durchzuziehen. Und das passt für uns. Wobei die Abenteuer selbst zum Glück wirklich praktisch keinerlei Vorbereitung brauchen, wodurch der minimale Mehraufwand für etwas mehr Ausgestaltung zwischen den Zeilen super kompensiert wird.

Spielt man die Abenteuer ganz pur nur mit dem, was explizit im Text steht, dann ist das schon recht nackt. Das muss man schon wollen.

Mal kurz ein Abriss dieses Abenteuers, so wie von mir geleitet. SPOILER!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! Die Gruppe wird von Bauer Schinke gerufen, weil seine Schweine nachts abgeschlachtet werden. Die Gruppe legt sich auf die Lauer, beobachtet in der Nacht zwei Blutgerippe, die ein Schwein abmurksen, eins der Monster legt sich die frisch abgezogene Haut an. Die Gruppe greift an, gewinnt überraschend flott. Um herauszufinden, woher die Monster kommen, wird den Spuren gefolgt, man landet beim Turm. Der entpuppt sich als alte Tempel- oder Kultstätte der Feenwesen, samt allerlei unappetitlicher Wanddeko. Es werden noch einige alte Fallen, Monster und Dämonen besiegt, ein magischer Gegenstand gefunden (der der Gruppe im härtesten Kampf letztlich den Arsch rettet) und schwerst ausgelaugt ziehen sie sich zurück. SPOILER!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! Dann offenbart Schinke noch n düsteres Geheimnis, danach gehts ab zurück in die Stadt.

Wie gesagt, gradlinig, auf den Punkt, aber mit genug Freiraum.

Achja, es ist ein Charakter gestorben, ausgerechnet der Heiler der Gruppe (ein auf Lebensmagie spezialisiertes Uhrwerk, das auf den Namen Sani hörte). Und das war ok so. Die Regeln sind klar, nachvollziehbar und relativ unkompliziert. Bekommst du in einem Angriff so viel Schaden, wie du maximal verträgst, dann Friedhof. Und da auch die Gegner schon bekannt waren, kam nichts überraschend. Und WEIL die Regeln so sind wie sie sind, kann ich als Spielleiter gleichzeitig alle Fiesigkeiten, die die Monster haben, mit Genuß ausleben, UND kann mich über jeden kritischen Angriff der Kriegerin freuen, die dann mit beeindruckenden 3W6 Schaden ein Monster vom sterbenden Dieb wegfegt. Das ist super befreiend und bestärkend. Nicht darin, SL gegen Gruppe zu spielen oder so, sondern wirklich gemeinsam so episch wie möglich Spaß zu haben.

Und dazu hilft es dann, in D&D (und Klonen) einstudierte Gewohnheiten abzuwerfen, gerade als SL. Absolut JEDER Kampf muss ernst genommen sein, reiner “Resourcenabbau” ist sehr selten (bisher in der Kampagne). Spielt die Gegner so, als wollten die gewinnen, nicht als seien sie nur Hindernisse auf dem Weg der Helden zu Ruhm und Ehre. Wenn ein Blutgerippe sieht, dass es entweder einen unverletzten Krieger angreifen kann, oder einen stark angeschlagenen Magier – dann ist der Magier eben reif. Das Gerippe ist ja nicht blöd (gilt natürlich für manches Monster vielleicht aus Gründen anders).

Außerdem entwickeln sich die Charaktere über die bisherigen Stufen schon deutlich unterschiedlich. Kämpfer und Kämpferin können halt fast doppelt so viel Schaden einstecken, wie ein Lebensmagier. Und dann sind 2W6 Schaden für eine Klasse hart aber kein Grund zur Besorgnis, für eine andere akut lebensgefährdend. Und das fühlt sich gut und richtig an.

In der nächsten Session muss ich dringend versuchen, mir während des Spiels Notizen zu machen. Ich hatte noch mehr Gedanken, die ich hier zu Papier bringen wollte, aber zu vieles davon ist zwischendurch dem Vergessen anheim gefallen.

Info:

Wir spielen auf Deutsch, ich besitze alle Bücher in Deutsch und in Englisch, ich verwende aber nur die englischen. In die deutschen Bücher schaue ich manchmal zum Abgleich auch rein. Die deutschen Bücher gibts hier: https://www.system-matters.de/shop/der-schatten-des-daemonenfuersten/ Die englischen hier: https://schwalbentertainment.com/shadow-of-the-demon-lord/ (Ich verdiene nichts daran)

#PNPDE #SchattenDesDämonenfürsten